Berlin. Ostwestfalen-Lippe ist in die erste Liga der
deutschen Hochtechnologie aufgestiegen. Die Region gehört mit ihrem
Projekt "It’s OWL" zu den fünf Gewinnern eines
Innovations-Wettbewerbs, den das Bundesministerium für Bildung und
Forschung (BMBF) ins Leben gerufen hatte. Konkret bedeutet das für
die nächsten fünf Jahre einen Geldsegen aus Berlin für OWL in Höhe
von 40 Millionen Euro.
Elf Finalisten hatten im so genannten
Spitzencluster-Wettbewerb (Cluster = Haufen, Bündel) den Sprung in
die letzte Runde geschafft. Aber nur fünf wurden von einer
unabhängigen Jury als Gewinner ausgewählt. Die Ostwestfalen und
Lipper sind die einzigen Sieger aus NRW, obwohl sich auch die
Rhein-Ruhr-Region mit einem Kraftwerksprojekt beworben hatte.
Andreas Barner, Chef der Jury und
Sprecher des Unternehmens "Boehringer Ingelheim", stellte
die Vorzüge von "It’s OWL" heraus: Die Verschmelzung von
Mechanik und Elektronik, von klassischer Ingenieurswissenschaft und
Informatik sei das Besondere.
Hand in Hand arbeiteten in OWL 173
Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
Produktionsinnovationen sollen vor allem für den Maschinenbau und die
Elektro- und Automobilzulieferindustrie Zukunftsmärkte erschließen.
Herbert Weber, Geschäftsführer der
OWL-Marketing-GmbH, geht davon aus, dass "It’s OWL" in den
nächsten fünf Jahren 10.000 Arbeitsplätze in der Region schaffen
wird. Entwickelt wurde unter anderem eine intelligente
Fahrzeugbeleuchtung, die sich dem individuellen Fahrstil in der Kurve
anpasst.
Zu den 40 Millionen Euro aus Berlin
steuern heimische Unternehmen noch 80 Millionen bei. So ist mit einem
gesamten Investitionsvolumen von mindestens 120 Millionen Euro zu
rechnen.
"Wir neigen nicht zum
Protzen"
Jury-Chef Andreas Barner hatte für
die Ostwestfalen eine ganz spezielle Bemerkung parat: "Etwas
still" hätten sie ihr beeindruckendes Cluster auf den Weg
gebracht. "So sind wir nun mal in OWL", sagt Herbert Sommer,
Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der OWL-Marketing-GmbH:
"Wir neigen nicht zum Protzen." Sommer ist sicher, dass in
diesen Tagen "ganz viele Leute auf der Landkarte nachgucken
werden, wo OWL eigentlich liegt".
Auch Weber sieht darin einen großen
Wert dieser Auszeichnung: "Zum ersten Mal ist hier OWL als Marke
bundesweit in Erscheinung getreten." Sowohl Sommer als auch Weber
betonen, dass das Projekt ohne die fachkundige Leitung des
Cluster-Managers Jürgen Gausemeier vom Heinz-Nixdorf-Institut
Paderborn nicht möglich gewesen wäre.
Begeistert ist auch der Mindener
Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter: "Von den Investitionen
und der besseren Vernetzung in Forschung und Entwicklung wird ganz OWL
und vor allem auch viele kleine Mittelständler profitieren." Es
sei ein guter Tag für OWL, ergänzt Kampeter.
Er weist aber darauf hin, dass die
Arbeit nun erst richtig losgeht. In der Tat sind zwar die 40 Millionen
Euro zugesagt, aber bis Ende März müssen trotzdem noch Anträge für
die 34 Einzelprojekte formuliert werden. Das Ministerium will bei einer "Clusterkonferenz"
am 23. Februar in Berlin die fünf Gewinner feierlich
prämieren.
Neben "It’s OWL" wurden
noch diese Spitzencluster mit jeweils 40 Millionen Euro ausgezeichnet:
ein Biomasse-Projekt aus Sachsen und Sachsen-Anhalt, ein
Elektromobilitäts-Cluster aus Stuttgart, ein Projekt für
individualisierte Medizin aus Hessen, Rheinland-Pfalz und
Baden-Württemberg und das Leichtbauprojekt "Carbon" aus
München.