Geflüchtete aus der Ukraine lernen Deutsch an der VHS

Bünde. Der Krieg in der Ukraine dauert an. Vor mehr als einem Jahr haben russische Soldaten das Land angegriffen. Seitdem flüchten Menschen. Wer in Deutschland ankommt, insbesondere in der Region Otwestfalen, kann mit der Hilfe des Vereins Brückenschlag Ukraine rechnen.

„Die Geflüchteten lernen die deutsche Sprache und engagieren sich“, sagt der erste Vorsitzende, Dirk Kaiser. Sie alle können die ukrainische und russische Sprache. „Deutsch ist schwer, komplizierter als Ukrainisch“, sagt die Lehrerin Maryna Miliusas von der VHS im Kreis Herford.

Sie kam vor zehn Jahren nach Deutschland, arbeitete für das Goethe-Institut. Heute engagiert sie sich ehrenamtlich als Dolmetscherin und Lehrerin – ein Glücksfall für die Geflüchteten, die Stadt Bünde und den Verein Brückenschlag Ukraine, der die Lehrerin vom Fleck weg engagierte. In Kooperation mit dem Verein unterrichtet sie derzeit 21 Erwachsene in der Forscherhaus-Gesamtschule in Bünde.

Die psychischen Belastungen des Krieges

Der Krieg, die Flucht, die psychischen Belastungen können ganze Familien spalten. Das wird deutlich, wenn Anzhelika von ihrem russischen Onkel erzählt: „Er denkt, dass Russland das Recht hat, die Ukraine zu überfallen, und dass die Ukrainer im Osten des Landes lieber zur Russland gehören wollen. Doch das ist nicht so. Niemand will zu Russland gehören. Wir Ukrainer wollen frei leben“, betont sie. Ihr Onkel hat für die Haltung gegen Russland kein Verständnis. Zudem glaubt er nicht die Berichte über die Gräueltaten der russischen Armee.

Zum dem Sprachkurs gehört auch ein Bewerbungstraining. Der 18-jährige Maksim hat dadurch bereits bei einer Möbelfirma arbeiten können. Die 24-jährige Eliza hat eine Anstellung in einer Arztpraxis in Bünde gefunden. Nina (42) ist in der Ukraine Kunstlehrerin und würde gerne in Ostwestfalen arbeiten. Der 45-jährige Alexei engagiert sich ehrenamtlich bei der Bünder Tafel.

Kinder sehen sich nach ihrer Heimat

Die Psychologin und Dolmetscherin Yuliia Chemer ist mit ihrer Tochter, Mutter und Freunden aus der Ukraine nach Deutschland geflohen. Dass der Krieg sich so lange hinzieht, hätte sie nicht gedacht. Als Lehrerin arbeitet sie intensiv mit 10- bis 15-Jährigen. Sie unterrichtet Englisch, unterstützt sie psychologisch, insbesondere die Halbwaisen. „Sie sehen sich nach ihrem Zuhause, auch wenn sie hier Freunde gefunden haben“, sagt sie.

Yuliia Chemer betreut derzeit 60 Kinder in zwei „Willkommensklassen“. Der deutsche und der ukrainische Unterricht seien sehr unterschiedlich. Der lockere Unterricht in Deutschland würden die ukrainischen Kinder eher wie ein Spiel empfinden. Die Lehrerin kam durch den Verein Brückenschlag Ukraine an das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, wo sie unterrichtet.

„Über den Verein und Dirk Kaiser haben wir damals schnell eine Wohnung gefunden“, sagt die Ukrainerin. Die täglichen Nachrichten über den Krieg in der Heimat sind in der Schule selten ein Thema. „Die Kinder reagieren darauf mit unterschiedlichen Gefühlen“, sagt die Psychologin.

Die Hoffnung bleibt

Die Hoffnung auf ein „gutes Ende“ des Kriegs ist allgegenwärtig – bei Yuliia Chemer, bei Maryna Miliusas und im Sprachkurs. Insbesondere die Erwachsenen wollen ihre Identität bewahren. „Russland will die Existenz der Ukraine auslöschen“, sagt Miliusas. Das Sprechen der eigenen Sprache erhalte den Kern ihres ukrainischen Selbstverständnisses.

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